Von „Gastarbeitern“ zu Bürgern
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(© picture alliance / dpa)
Am Anfang standen eine lange Zugfahrt von Istanbul nach Frankfurt am Main – und jede Menge Zuversicht: Als Yilmaz Atalay 1961 als junger Türke mit 27 Jahren nach Deutschland kam, war er sich sicher, dass er mit Fleiß viel erreichen kann. Er arbeitete zuerst in einer Fabrik, dann als Sozialarbeiter, gründete später ein türkisches Reisebüro und leitete einen Verein, der türkischstämmige Migranten in Gesundheitsfragen berät.
Yilmaz Atalay nutzte die Chance, die ihm das am 30. Oktober vor 50 Jahren unterzeichnete Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei bot. Beide Länder waren an einer engeren Zusammenarbeit interessiert. Deutschland brauchte zur Zeit des „Wirtschaftwunders“ Arbeitskräfte, die Türkei wollte ihre Landsleute durch einen Auslandsaufenthalt weiter qualifizieren. Nach Italien (1955) und Griechenland (1960) war die Türkei das dritte Land, mit dem die Bundesregierung ein solches Abkommen abschloss. Von 1961 bis 1973 bewarben sich rund 2,7 Millionen Türken um einen Arbeitsplatz, rund 750.000 kamen tatsächlich nach Deutschland. Während etwa die Hälfte der angeworbenen Arbeitskräfte wieder in die Türkei zurückging, blieb der andere Teil in Deutschland. Aus den „Gastarbeitern“ wurden Einwanderer, von denen viele ihre Familien nach Deutschland nachholten.
Heute leben rund 2,5 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Unter den insgesamt fast 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund bilden sie die größte Gruppe. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Mesut Özil, der Filmemacher Fatih Akin, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu oder die Politikerin Aygül Özkan, die erste türkischstämmige Landesministerin, sind vier prominente Beispiele für gelungene Integration. Aktuelle Initiativen wie die Gründung der deutsch-türkischen Universität in Istanbul und Weiterbildungsprogramme für Imame in deutscher Sprache, wie sie zum Beispiel die Universität Osnabrück anbietet, fördern das deutsch-türkische Verständnis.
Anlässlich des 50. Jahrestags des Anwerbeabkommen findet am 2. November 2011 in Berlin ein Festakt statt, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan teilnehmen. Darüber hinaus erinnern in Deutschland verschiedene Veranstaltungen an das Jubiläum. Das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD) etwa hat die Ausstellung „Geteilte Heimat – 50 Jahre Migration aus der Türkei“ konzipiert, die ab Ende Oktober zunächst in Berlin sowie in Köln und Düsseldorf zu sehen ist.
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